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Bambus


 

 Bambus ist eine sehr elegante Pflanze und macht nicht nur in japanisch gestalteten Gärten eine gute Figur. Aber das asiatische Riesengras ist beratungsintensiv, denn einige Arten wuchern und andere sterben nach der Blüte ab. Wir bringen Licht in den Bambus-Dschungel.


Bambus
 Der Schirmbambus (Fargesia) und der Flachrohrbambus (Phyllostachys) sind die beiden Bambus-Gattungen, die in den mitteleuropäischen Gärten am weitesten verbreitet sind. Daneben gibt es noch ein paar weniger bekannte Liebhaber-Arten. Der echte Bambus (Bambusa) ist in unseren Breiten nicht ausreichend winterhart. Wie alle Pflanzen aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) – zu der auch die Rasengräser gehören – vermehrt sich Bambus nicht nur über Samen, sondern auch über Ausläufer.

 Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden genannten Bambus-Gattungen ist die Länge der Wurzelstöcke (Rhizome). Während der Schirmbambus so kurze Ausläufer bildet, dass er bis ins hohe Alter seinen horstigen Wuchs-Charakter beibehält, treibt der Flachrohrbambus lange Rhizome, die sich nur mit einer Rhizomsperre im Zaum halten lassen.

 Phyllostachys: Das Ausläufer-Problem

 Die Ausläuferbildung wird beim Bambus häufig unterschätzt – und mangelhafte Beratung in der Gärtnerei grenzt in diesem Fall schon fast an Sachbeschädigung. Immer wieder pflanzen unerfahrene Hobbygärtner einen Flachrohrbambus an die Terrasse und stellen schon nach wenigen Jahren fest, dass zwischen Terrasse und Hauswand plötzlich neue Bambushalme aus dem Boden sprießen. Jetzt ist guter Rat teuer, denn die zähen, harten Bambus-Ausläufer lassen sich nur mühsam wieder aus dem Garten entfernen. Eine speziell für Bambus entwickelte, korrekt gesetzte Rhizomsperre aus Hochdruck-Polyethylen (HDPE) ist daher beim Pflanzen von Flachrohrbambus und anderen ausläuferbildenden Bambus-Gattungen unverzichtbar.

 Fargesia: Das große Bambus-Sterben

 Die Blütezeit der Schirmbambus-Arten unterliegt einem mysteriösen Zyklus: Etwa alle 80 Jahre bilden in einem Zeitraum von wenigen Jahren alle Pflanzen einer Art Blüten und Samen, anschließend sterben sie ab. Aus den Samen entsteht dann eine neue Bambus-Generation, die 70 Jahre später erneut zu blühen beginnt.

 Nach der großen Fargesia-Blüte, die um die Jahrtausendwende herum fast alle Schirmbambusse in Mitteleuropa absterben ließ, hatte ein Pflanzenvermehrungsbetrieb aus Samen neue Pflanzen herangezogen. Diese wurden anschließend durch Meristemkultur im Labor innerhalb kurzer Zeit tausendfach vermehrt und unter verschiedenen Sortennamen in den Handel gebracht. Bald stellte sich heraus, dass diese neuen Schirmbambus-Sorten schon nach kurzer Zeit wieder zu blühen begannen. Einige Experten vermuten, dass die besondere Vermehrungsmethode die innere Uhr der Bambusse durcheinander gebracht hatte, andere glauben, dass für die Vermehrung versehentlich Teilungsgewebe von Pflanzen genommen wurde, die noch nicht geblüht hatten.

 Die Vorgänge lösten unter Hobbygärtnern eine große Verunsicherung aus: Niemand wusste, ob er seinen abgestorbenen Schirmbambus jetzt durch ein blühfestes Exemplar ersetzt hatte, oder ob seinem neuen Bambus nach kurzer Zeit dasselbe Schicksal drohen würde. Dieses Problem ist inzwischen ausgestanden, denn die Gärtnereien vermehren ihre Fargesia-Arten mittlerweile wieder klassisch durch Teilung von Hand. Tipp: Wer heute einen Schirmbambus sucht, der dem alten Fargesia murielae möglichst ähnlich sieht, der sollte die Sorte 'Standing Stone' wählen, denn sie hat einen besonders malerischen, aufrechten Wuchs. Ebenfalls sehr schön und wüchsig ist auch die Sorte Fargesia robusta 'Campbell' mit dunkelgrünen Halmen und hellen Blattspreiten.

 Bambus als Hecke

 Bambus-Hecken sind sehr beliebt und haben viele Vorteile: Sie sind immergrün, blickdicht und müssen nicht regelmäßig mit der Heckenschere in Form gebracht werden. Für eine Hecke aus Bambus eignen sich am besten aufrecht wachsende Schirmbambus-Sorten wie die bereits oben erwähnten Sorten 'Standing Stone' und 'Campbell'.

 Wer den Flachrohrbambus als Hecke pflanzen will, muss auf der gesamten Länge eine Rhizomsperre einbauen, was das Vorhaben recht kostspielig macht. Außerdem bietet der Flachrohrbambus zumindest in den ersten Jahren wegen seiner lockeren Belaubung und der weit auseinander stehenden Halme keinen guten Sichtschutz.

 Eine schöne, weniger bekannte Bambus-Art für Hecken ist der aufrecht wachsende Pfeilbambus (Pseudosasa japonica). Er bietet mit seinen auffallend großen Blättern einen besonders guten Sichtschutz und erreicht in mildem Klima Wuchshöhen über vier Meter. Der Pfeilbambus kann in strengen Wintern zwar zurückfrieren, bildet aber im Frühjahr schnell neue Triebe. Pseudosasa japonica bildet wie der Flachrohrbambus Ausläufer und benötigt daher ebenfalls eine Wurzelsperre.

 Ihr solltet gleich bei der Pflanzung einer Bambus-Hecke einkalkulieren, dass die Pflanzen in der Breite mindestens einen Meter Platz brauchen. Lockert den Boden gründlich und bessert ihn mit reifem Kompost oder verrottetem Laub auf. Bei Trockenheit solltet Ihr die Bambus-Hecke rechtzeitig wässern, da der Boden wegen der seitlichen Begrenzung durch die Rhizomsperre leicht austrocknet.

 Bambus für die Einzelstellung

 Alle höheren Bambus-Arten sind mit ihrem malerischen Wuchs für die Einzelstellung wie geschaffen. Für japanische Gärten ist der Flachrohrbambus in der Regel die bessere Wahl, weil er etwas exotischer wirkt. Er bildet je nach Art und Sorte Halme, die bis zu zehn Meter lang und armdick werden können, während die dünnen, dicht stehenden Halme des drei bis vier Meter hohen Schirmbambus aus der Ferne eher an Schilf erinnern.

 Vom Flachrohrbambus gibt es Arten und Sorten mit blaugrünen, schwarzvioletten, gelben und sogar gelb oder grün gestreiften Halmen, was bei Bambusfreunden oft die Sammelleidenschaft weckt. Die beliebteste grüngestreifte Sorte ist Phyllostachys vivax 'Aureocaulis'. Sie kann in milden Regionen über acht Meter hoch werden und bildet bis acht Zentimeter dicke Halme. Grüne Halme mit gelben Streifen zeigt Phyllostachys aureosulcata. Die fünf bis sieben Meter hohe Art bildet kräftige, standfeste Halme, ist recht frosthart und gut für Hecken geeignet. Als frosthärtester Flachrohrbambus gilt der fünf bis sieben Meter hohe Phyllostachys bissetii. Er bildet tiefgrüne Halme und eignet sich ebenfalls gut für Bambus-Hecken. Einer der beliebtesten Flachrohrbambusse ist Phyllostachys nigra, der Schwarze Bambus. Er wird etwa fünf Meter hoch und bildet zunächst grüne Halme, die sich später in der Sonne violettschwarz verfärben. Er zeigt ab -18 Grad Celsius erste Frostschäden und ist damit nicht ganz so frosthart wie die zuvor genannten Arten und Sorten.

 Vom Schirmbambus sind in den europäischen Gärten etwa 15 verschiedene Arten und Sorten verbreitet, die wie der Flachrohrbambus zum Teil unterschiedliche Halmfärbungen besitzen. Die Farbpalette reicht von Rotbraun über Dunkelgrün bis Grüngelb. Rotbraune Halme zeigt beispielsweise die bei uns noch recht unbekannte Sorte 'Jiuzhaigou 1'. Sie wurde erst vor rund zehn Jahren in Europa verbreitet. 'Juizhaigou 1' ist mit zwei bis drei Metern Wuchshöhe etwas kleiner und zierlicher als die meisten anderen Fargesia-Formen und gilt als sehr frosthart. Eine optimale Ausfärbung findet allerdings wie auch beim Flachrohrbambus nur an sonnigen Standorten statt.

 Bambus als Kübelpflanze

 Als Kübelpflanzen eignen sich vorwiegend schwachwüchsige Bambus-Arten wie die bis 1,50 Meter hohe Schirmbambus-Sorte 'Bimbo'. Starkwüchsige Flachrohrbambusse brauchen hingegen mindestens ein Pflanzgefäß im Maurerkübelformat, anderenfalls leiden sie schnell unter Trockenheit und kümmern vor sich hin. Noch besser ist ein gemauertes Hochbeet, das nach unten Erdkontakt hat – so entsteht nicht so leicht Staunässe und die Pflanze wird durch aufsteigendes Kapillarwasser zusätzlich versorgt.

 Auch weniger bekannte Bambus-Arten wie beispielsweise die bis zwei Meter hohen, großblättrigen Arten der Gattung Indocalamus sind im großen Kübel sehr dekorativ. Als Faustregel gilt, dass der Pflanzgefäß-Durchmesser mindestens drei Mal so groß sein sollte wie der Durchmesser des Wurzelballens. Neben regelmäßigen Wassergaben brauchen die verschiedenen Bambus-Arten im Kübel auch eine gute Nährstoffversorgung. Man düngt sie am besten alle zwei Wochen mit einem Flüssigdünger für Grünpflanzen.

 Bambus als Bodendecker

 Speziell die Zwergbambus-Arten der Gattung Pleiobastus (ehem. Sasa) sind hervorragende immergrüne Bodendecker – allerdings mit allen Konsequenzen. Im Handel sind neben der bekanntesten Pleiobastus pumilus drei bis vier weitere bodendeckende Arten erhältlich. Wer sich einen Bambus als Bodendecker in den Garten pflanzt, sollte zuvor die gesamte Fläche mit einer guten Wurzelsperre eingrenzen, da der bis 20 Zentimeter hohe Zwergbambus sich wie seine größeren Verwandten über Wurzelstöcke ausbreitet.

 Kombiniert das konkurrenzstarke Gras nur mit robusten, tiefwurzelnden Gehölzen wie beispielsweise Kiefern. Auch die meisten Stauden halten der Wurzelkonkurrenz des Zwergbambus auf Dauer nicht stand. Vor allem in der japanischen Gartenkunst sind die einheitlich grünen Bambusflächen sehr beliebt, zumal sie ohne großartige Pflege nahezu unkrautfrei bleiben. Sie werden oft sogar als Rasenersatz gepflanzt und einfach mit dem Rasenmäher kurz gehalten.

 

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Zuletzt aktualisiert am: 09.05.2017 10:57:23


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