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Efeu


 Der Gewöhnliche Efeu (Hedera helix) ist die einzige in Mitteleuropa heimische immergrüne Kletterpflanze und kommt natürlich in Eichen- und Buchenmischwäldern, Auwäldern, an Felsen, Mauern und in Gebüschen vor. Das Araliengewächs (Araliaceae) ist ein sogenannter Selbstklimmer – es findet selbst an glatten Betonwänden Halt.

 Wollt Ihr Eure Hausmauer mit dem robusten Kletterer begrünen? Dann solltet Ihr sicherstellen, dass die Fassade in einem guten Zustand ist. Wenn der Putz dauerfeuchte Risse hat, versucht die Pflanze, diese Wasserquellen zu erschließen. Aus den kleinen Haftwurzeln bilden sich an diesen Stellen richtige Wurzeln. Sie wachsen in die Risse hinein und sprengen durch ihr Dickenwachstum mit der Zeit den Putz. Eine intakte Efeu-Fassade hält dagegen lange, weil die dichte Blätterwand den Putz vor Witterungs- und Temperatureinflüssen schützt. Hat sich der Efeu an der Fassade erst einmal ausgebreitet, bildet er einen wichtigen Lebensraum für viele wärmeliebende Insekten und Vogelarten.
 
 Wuchs
 
 Der Efeu klettert bis 20 Meter hoch, kann über 500 Jahre alt werden und bildet dann Stämme mit über einem Meter Durchmesser. Er klettert mithilfe kleiner Haftwurzeln, die sich auf nahezu jedem Untergrund verankern können. Nach dem Pflanzen wächst er zunächst recht träge, danach sind besonders nach einem Rückschnitt bis über einen Meter lange Jahrestriebe möglich. Alte Pflanzen bilden plötzlich dickere und aufrecht wachsende, nicht kletternde Triebe. Dabei handelt es sich um die sogenannte Altersform. Die Rinde junger Triebe ist zunächst grün bis braunrot, die der älteren Zweige und Äste meist hellgrau.
 
 Blätter
 
 Die immergrünen, gegenständigen Blätter des Efeus sind sehr variabel, was zur Selektion zahlreicher Gartenformen beigetragen hat. Die Wildart hat dunkelgrüne, drei- bis fünffach gelappte Blätter mit auffallend hellen Blattadern. Die Blätter der Altersform sind ungelappt und rauten- bis herzförmig. Viele Sorten des Gewöhnlichen Efeus färben sich zudem im Spätherbst bei niedrigen Temperaturen leicht bronzefarben, rosa, rot oder dunkelrot. Bei einigen wie der Sorte ‘Buttercup’ zeigt sich die Herbstfärbung nur auf der Blattunterseite. Die Besonderheit hierbei: Die Pflanze dreht ihre Blätter im Herbst einfach um, sodass die Unterseite oben liegt.
 
 Blüten
 
 Der Efeu trägt unscheinbare, grüngelbe Blüten, die in kleinen Dolden angeordnet sind. Sie erscheinen erst im September an den Trieben der Altersform und enthalten sehr viel Nektar. Wegen seiner späten Blütezeit ist der Efeu für Honigbienen und andere Insekten eine sehr wichtige Futterquelle.
 
 Früchte
 
 Die kugeligen schwarzblauen Früchte des Efeus zeigen sich erst im Frühjahr nach der Blüte, zwischen Februar und April, und sind schwach giftig. Sie werden gerne von Amseln und anderen Drosselarten gefressen.
 
 Standort
 
 Der Efeu bevorzugt absonnige bis sehr schattige, luftfeuchte Standorte. In der Sonne wächst er nur bei ausreichend feuchtem Boden, allerdings sind dann Frostschäden durch Wintersonne die Regel. Lediglich die buntlaubigen Sorten wie ‘Goldheart’ brauchen zwei bis drei Stunden Sonne am Tag, damit sich die Blätter gut ausfärben.
 
 Boden
 
 Der Kletterstrauch bevorzugt humus- und nährstoffreichen, kalkhaltigen Untergrund, ist aber anpassungsfähig und wächst sogar im trockenen, stark durchwurzelten Boden unter Birken. Der Boden sollte zudem frisch bis feucht und alkalisch sein, wenngleich der Efeu auch noch auf schwach sauren bis sauren Substraten gedeiht.
 
 Pflanzung
 
 Man pflanzt Efeu vorzugsweise im Frühjahr, damit die Pflanzen bis zum ersten Winter bereits gut eingewurzelt sind. In den ersten zwei Jahren nach der Pflanzung tut sich meist nicht besonders viel, aber danach legen die Pflanzen ein kräftiges Wachstum an den Tag. Damit die Klettersträucher sich von Anfang an gut verzweigen, sollte man die Triebe eines frisch gepflanzten Efeus um etwa die Hälfte zurückschneiden.
 
 Pflege
 
 Junge Pflanzen an ungünstigen Standorten sollte man mit einem Vlies vor der Wintersonne schützen. Das Beseitigen einzelner Triebe oder ganzer Pflanzen ist sehr mühsam, da die Haftwurzeln des Efeus sehr schwierig zu entfernen sind. Bei massivem Mauerwerk geht das am besten durch Ausglühen mit einem Gasbrenner und anschließendes Abschrubben mit einer kräftigen Bürste. Efeu wächst auf gemulchten Böden deutlich besser als auf nackter, mineralischer Erde. Eine regelmäßige Düngung benötigen die Pflanzen nicht und auch mit Trockenheit kommen sie gut zurecht.
 
 Schnitt
 
 Der Gewöhnliche Efeu gehört zu den Kletterpflanzen, die rasch wachsen und so im Handumdrehen an der Fassade emporklettern. Um ihn im Zaum zu halten, könnt Ihr im Frühjahr lange Jungtriebe einkürzen und diese Schnittmaßnahme nach Bedarf im Sommer noch einmal wiederholen. Die horizontal von der Wand abstehenden Blütentriebe der Altersform solltet Ihr auf Seitentriebe umlenken. Dadurch erhalten Sie die dichte Form und verringern gleichzeitig das Gewicht. Der beste Zeitpunkt für diesen Schnitt ist im zeitigen Frühjahr, denn später sind Efeufassaden beliebte Nistplätze für Vögel. Bei efeubegrünten Hauswänden müssen gelegentlich auch die Fenster mit einer Heckenschere freigeschnitten werden.
 
 Verwendung
 
 Efeu wächst selbst dort, wo die meisten anderen Arten sich nicht durchsetzen können, zum Beispiel im dichten Wurzelgeflecht von Spitz-Ahorn und Birke. Die Dominanz birgt aber auch gewisse Gefahren, denn die meisten Stauden und Gehölze streichen irgendwann die Segel, wenn sie sich gegen die Efeuwurzeln behaupten müssen. Daher können in seinem Umfeld nur ebenso zähe Vertreter wie Kirschlorbeer, Funkie, Rodgersie oder Wald-Geißbart überleben.
 
 Efeu schmarotzt nicht und würgt die Bäume auch nicht, sondern benutzt sie lediglich als Kletterhilfe. Weil der Efeu ohne Rankhilfe überall hochklettern kann, eignet er sich wie Wilder Wein hervorragend, um unschöne Gebäudefassaden zu kaschieren. Allerdings verweigert er bei neuen Betonwänden und weiß gestrichenen Fassaden mitunter seine Dienste. Von hellen, stark reflektierenden Flächen wenden die Triebe sich ab, weil sie mit dem grellen Licht nicht zurechtkommen. In der botanischen Fachsprache wird dieses Verhalten negative Fototaxis genannt. Ein etwas dunklerer Anstrich löst in der Regel das Problem. Frische Betonwände haben einen sehr hohen pH-Wert, und auch das hat der Efeu nicht so gerne. Es kann deshalb ein paar Jahre dauern, bis seine kleinen Haftwurzeln an solchen Wänden Halt finden.
 
 Sorten
 
 Mittlerweise sind unzählige Sorten des Gewöhnlichen Efeus im Handel erhältlich, von denen einige aber nicht winterhart und deshalb nur als Zimmerpflanzen empfehlenswert sind. Vor allem Exemplare mit weißen Blattteilen sind oft nur für Innenräume oder für den Balkonkasten geeignet. ‘Glacier’ und ‘Goldheart’ sind zwei buntlaubige Sorten, die unseren Winter unbeschadet überstehen. Sie sollten nicht zu schattig stehen, damit sich das Laub deutlich ausfärbt. Auch in der Wuchsstärke unterscheiden sich die Efeu-Sorten. Möchtet Ihr ein ganzes Haus begrünen, solltet Ihr kräftige Züchtungen wie ‘Woerneri’ oder ‘Plattensee’ wählen. Für kleine Flächen oder Töpfe sind zierliche, langsam wachsende Formen besser geeignet.
 
 Vermehrung
 
 Efeu lässt sich am besten durch Stecklinge vermehren. Der beste Zeitpunkt dafür ist im Spätsommer. Schneidet einjährige Triebe so ab, dass sie zwei Knoten haben, an denen Blätter sitzen, und entfernt das untere Blatt. Setzt drei solcher Stecklinge so in einen Topf mit Anzuchterde, dass der untere Knoten gut mit Erde bedeckt ist. Wenn Ihr einen Folienbeutel über den Topf stülpt, bleibt die Erde gleichmäßig feucht, bis die Triebe nach spätestens zwei Monaten Wurzeln gebildet haben.
 
 Krankheiten und Schädlinge
 
 Beim Efeu können verschiedene Blattfleckenkrankheiten wie der Colletotrichum-Pilz oder der Phyllosticta-Pilz auftreten. Bei einem Befall solltet Ihr die Pflanze stark zurückschneiden und infiziertes Laub entfernen. Da die Ausbreitung von Pilzkrankheiten durch ein feuchtes Milieu gefördert wird, empfiehlt es sich zudem, den Efeu von herabgefallenem Herbstlaub zu befreien. Des Weiteren ist Efeu – besonders die panaschierten Sorten – anfällig für das Bakterium Xanthomonas campestris pv. hederae, welches Efeukrebs auslöst. Typische Symptome hierfür sind kleine, scharf begrenzte Flecken am Blattrand, die sich nach und nach auf den Blättern und im schlimmsten Falle auch auf die Stängel ausweiten. Eine wirkliche Bekämpfung ist nicht möglich, Ihr könnt aber durch das Entfernen betroffener Pflanzen zumindest die Ausbreitung eindämmen.
 


Zuletzt aktualisiert am: 27.01.2018 20:59:36


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